Für mich stand schon früh fest, dass ich mich mit der Telegrafie befassen wollte. Irgendwie hatte ich mich in der Jugend damit angesteckt, wohl bei einem Western im Fernsehen? Jedenfalls befanden sich an meinen ersten „Walkie-Talkies“ von Fairmate eine grosse schwarze Plakette aus Aluminium mit dem Morse-Alphabet aufgedruckt und am unteren Ende war eine grosse orange Wipptaste zum Senden! Mit meinem Kollegen versuchte ich mich immer wieder in der Verständigung mittels Telegrafie, obwohl die Reichweite der Geräte so gering war, dass wir den „Buzzer“ des Gegengerätes lauter hören konnten! Ich lauschte zu der Zeit auch gerne den CB Funkern, welche sich in meinen Gerätchen tummelten.
So versuchte ich immer wieder, mit den CB’s Kontakt aufzunehmen, baute diverse Drahtantennen, sogar Versuche mit dem Seewasser machte ich. Aber es war mir nur einmal gelungen, Kontakt zu einem Funker in Sursee, ca. 5km Luftlinie von meinem Zuhause, aufzunehmen. In mir schlummerte so schon früh der Wunsch, die Amateurfunkprüfung zu bestehen um die Lizenz zum Telegrafisten zu erwerben. Wie in den Achtzigern bei der Jugend beliebt, widmete auch ich mich intensiv dem CB-Funk. Lange nach Lehre, Autoprüfung und der Grundausbildung der Armee, bestand ich endlich meine Lizenzprüfung. Ich wollte aber nicht, wie damals noch üblich, ein Rufzeichen für den UHF/VHF Bereich lösen. So machte ich mich sogleich ans lernen für die Telegrafieprüfung, welche ich nach einem halben Jahr bestand. Überglücklich wurde sogleich ein Rufzeichen beantragt. Die PTT teilte mir das Rufzeichen HB9JCP zu und schon wagte ich die ersten Schritte in die grosse, weite Welt des Amateurfunkes. Als erste Taste erwarb ich eine „Swedish Key“ von Petersson, ein mechanisches Präzisionsstück. Nach etwas Praxis stieg ich auf ein Bencher Paddle um, doch wurde ich mit dieser nicht wirklich glücklich. Obwohl ich eine "BUG" schon einmal in Friedrichshafen an der HAMRadio gesehen hatte, stiess ich per Zufall im Internet auf die Firma Vibroplex Co. Ich bestellte mir eine BlueRacer 2000, fasziniert von dem mechanischen Prinzip dieser Morsegeber. So begann ich mich mit diesen, im deutschen Wortgebrauch abschätzig „Schlackertaste“ genannten Telegraphiegeräten vertieft auseinander zu setzen. Ich ersteigerte mir bei eBay aus einem Museum eine Vibroplex „Original“ von 1923 und renovierte diese. Meine Begeisterung für diese Produkte stieg immer mehr. So stellte ich fest, dass diese Firma mit ihren Mechanischen Tasten einen Quantensprung in der damals hauptsächlich beruflichen Telegrafie einleitete. Es erstaunt, diese Firma existiert nach über 100 Jahren noch immer, wo doch die Telegrafie kaum mehr beruflich verwendet wird!
Was gibt es Schöneres, wie mit einer renovierten Bug „on Air“ zu gehen und zu wissen, dass sie einmal Berufsutensil und das „Schätzchen“ eines begeisterten Telegrafisten war.
Fred, HB9JCP
